Es wird über vielerlei banale Dinge geschrieben, wie den Song Contest oder die Befindlichkeiten von Gefühlsunfähigen oder die Schuhgröße von Paris Hilton… warum also nicht was über Eier?!
Dass ich mich bemüßigt fühle Euch mit Eiern auf die Eier zu gehen, ist Florian Holzer zu verdanken, der frug, ob ich schon mal bei einer Eierverkostung war… hätte er nicht „(hühnereier)“ dazugeschrieben, hätte sich dieser Text hier völlig anders gestaltet 😉
So jedoch erinnerte ich mich an das Bild von den drei verschieden farbigen Dottern, die aus einer Packung Bio-Freiland-Eiern stammten und stellte fest, dass ich zwar immer wieder verschiedene Eier probiere jedoch nie im Direktvergleich… und dann dachte ich an all die vielen Eier in meinem Leben.
Meine Affinität zu dieser Hühnerleibesfrucht begründete sich schon in frühen Kindheitstagen. Ich wuchs in derlei desolaten und verarmten Verhältnissen auf, dass ich ständig in den Genuss von frischem Obst, Gemüse, Hasen und Eiern kam, sei es im Familien-Vorstadt-Ghetto von St.Pölten oder in den Ferien bei der Bergbauern-Oma in Jugoslawien. Während viele andere Kinder schon zeitgemäß mit der teuren, glänzenden und schönen Supermarktware gefüttert wurden, musste ich pflücken, graben oder ausmisten oder in den stinkenden Hühnerstall – wo ich regelmäßig von Läusen befallen wurde – um überhaupt etwas zum Essen zu bekommen. Bei der Oma hütete und molk ich Kühe, während die anderen am Strand von „Tschesolo“ Sandburgen bauten oder Uno spielten.
Es war herrlich! Bis auf die Tatsache, dass mir regelmäßig Sonntags meine Lieblingstiere vorgesetzt wurden und ich mich strikt weigerte diese zu essen. Laut den Erwachsenen aß ich als Kind sowieso zu wenig, hatte jedoch eine ungewöhnliche Vorliebe für Hühnerinnereien – besonders die Herzen – und Eiern. Und leset und staunet, bereits im zarten Alter von 5 Jahren konnte ich mir zwei Gerichte kochen: Frankfurter und Eier.
Was die Hühner angeht, muss ich ein paar Illusionen zerstören: Hühner sind Dreckschweine und Fressmaschinen. Vor allem die frei Herumlaufenden. Wenn man nicht aufpasst, folgen sie einem ins Haus, scheißen mitten in den Vorraum und schauen nur blöd. Außerdem vernichten sie mit ihrem Gescharre die Wiese und lassen sich bereitwillig von Fuchs, Habicht und Adler holen. Und der Umstand, dass sie auch geköpft weglaufen können, zeigt nur, dass sie den Schädl mit dem Schnabel dran rein zur Nahrungsaufnahme haben, ansonsten gut ohne ihn auskommen könnten. Wie auch immer, unumstößlich sind sie die Topproduzenten in ihrem Metier und die Welt wäre eine andere und ganz sicher schlechtere, gäbe es keine Eier.
Allein der Anblick eines schönen Spiegeleis am Morgen hebt die Laune. Aber auch das schöne Gelb einer Eierspeise bringt uns auf sonnige Gedanken. Daneben stinkt das grau-braun-fleckige Müsli ganz schön ab. Und erst all die Süßspeisen! Ich denke, da brauche ich mich nicht weiter in Ausführungen verlieren… 🙂
Aber es hat sich bei Eiern etwas Wesentliches geändert. Wenn einem früher beim Anblick eines blass-gelben Dotters der Appetit verging, weil es ein untrügliches Zeichen der Legebatteriehaltung war, ist es heute optisch fast nicht mehr feststellbar woher das Ei kommt. Denn mit entsprechender Fütterung werden die Dotter schön orange „eingefärbt“.
Und genau bei der Fütterung trennt sich gut von schlecht. Meiner Großmutter habe ich zu „verdanken“, dass sich mir ein Geruch eingeprägt hat, der aus einer riesigen Kiste mit gekauftem Tierfutter stammte. Es muss eine Art Müsli für Viecher gewesen sein, denn von Zeit zu Zeit rührte sie es mit Wasser an und gab es sämtlichen Tieren am Bauernhof. Es hatte einen eigenen säuerlichen Geruch und ist der Grund warum ich selten Schweinefleisch esse, denn meistens schmeckt es nach diesem Futter. Ebenso ist es mit den konventionellen Eiern. Die Hühner werden einseitig gefüttert und dementsprechend schmeckt dann ihr Endprodukt. Während das Eiklar relativ schwach riecht und schmeckt, hat bei diesen Eiern der Dotter einen zwar nicht unangenehmen aber eigenartigen Beigeschmack, der den Unterschied zwischen „Hm. Ein Frühstücksei…“ und „Mmmm, schmeckt das Frühstücksei heute gut…“ ausmacht.
Da ich mich mangels Schulung nicht weiter in Geschmacksbeschreibungen ergehen kann, bleibt mir nur noch zu sagen, schaut Euch eure Eier immer ganz genau an und werdet misstrauisch, wenn jeder Dotter exakt den gleichen orangen Farbton hat.
Das gilt jedoch nicht für andere Eier… bei Wachteleiern kenn ich mich überhaupt nicht aus. Dafür fällt mir viel zum Thema Milch und Butter ein, was ich irgendwann auch mal loswerden möchte, um hier die traumatischen Erlebnisse meiner Kindheit, Jugend und auch dem erwachsenen Alter zu verarbeiten. 😛
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