…und wovon Liebste träumst du, wenn du wach bist?


    Dein weißes Kleid lässt die Stadt noch grauer und dreckiger erscheinen als sie ohnehin schon ist. Perfekt gebügelt, keine Falte in so viel Stoff zu finden. Du willst dich nicht auf die Bank setzen, denn du könntest es zerknittern und außerdem weißt du nicht, wer da schon gesessen hat. Heutzutage holt man sich doch überall Krankheiten, sagst du.

    Du schreitest mit dem Anmut einer Königin durch den Park, der dir ein Untertan ist und den du mit keinem Blick würdigst, weil du auf den unebenen Weg achten musst, um nicht mit den hohen Absätzen zu stolpern. Dies sind nun mal die einzigen Schuhe, die zu dem Kleid passen und wer schön sein will, muss Opfer bringen, sagst du.

    Ich will deine Hand nehmen doch du musst deine Haare ordnen, für die du zwei Stunden vor dem Spiegel verbracht hast. So viel Forschung und Versuche und doch gibt es kein einziges Haarspray, das wirklich hält, sagen du.

    Ich betrachte von der Seite dein perfektes Gesicht. Du drehst dich zu mir und siehst mich aus deinen großen, wunderschönen, grünen Augen fragend an. Es sind die Augenbrauen, sie sind ungleich, weil die dumme Kosmetikerin nicht aufgepasst hat, sagst du.

    Du hoffst, dass wir im Restaurant unseren Tisch bekommen und uns nicht der gleiche Kellner, wie beim letzten Mal bedient. Ob ich bei der Reservierung dafür gesorgt habe, fragst du, dass der Koch das Essen genauso zubereitet, wie du gesagt hast. Denn es ist unser besonderer Tag, er soll uns durch nichts verdorben werden.

    Du nimmst Platz, streichst dein Kleid glatt, rückst Besteck und Gläser zurecht, weist den Kellner an, wann er was zu bringen hat. Du erzählst mir etwas von Wein und Fisch doch ich höre dir nicht zu. Ich beobachte nur deine Lippen, wie sie sich öffnen und schließen und denke daran, wie sehr ich diese Lippen einmal liebte. Wie sehr sie mich liebten. Ich frage mich, wann sie damit aufgehört haben während du sagst, du hättest letzte Nacht so schlecht geträumt.

    „Und wovon Liebste träumst du, wenn du wach bist?“

Deine Hand sucht Halt am Stiel des Weinglases. Dein Blick wird klar und zum ersten Mal seit Langem  siehst du mir in die Augen: „Ich… war schon lange nicht mehr wach.“

 

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