Wahrscheinlich war das jahrelange Verzichten auf große Feierlichkeiten an meinem Geburtstag nur eine psychische Vorbereitung für diesen Tag an dem mir das Kind ordentlich reinschiss. Es schien als ob ihm der ganze unnötige Mist, der uns Eltern als wohlgemeinte Ratschläge rein’druckt worden war, hinten wieder rauskam. Denn nichts und niemand hatte uns auf diese Horrorbilder und -gerüche vorbereitet, die ein kindlicher Durchfall erzeugt. 


Da sitzst dann da mitten in der Nacht und konsultierst Dr.Google, weil anrufen kannst heutzutage niemand mehr, weil jeder ein Kommunikationsgerät besitzt, dass er hauptsächlich fürs googeln und Abdrehen verwendet. Sorge machte sich breit, da das Kindlein “Wust und Müsi” verlangte anstatt das zu sich zu nehmen, was seiner Verdauung förderlich wäre. 
Wie sich herausstellte, hielt das einzige Fahrzeug, das uns sicher den verschneiten Berg hinunter und wieder rauf bringen würde, nicht viel von der Idee zu einem Arzt zu fahren und sprang nicht an. 
Der arme Mann fror sich den halben Tag den Hintern draußen ab, während ich drinnen den Hintern des Kindes wusch.
Irgendwann lief das Auto wieder und der alte Hund auch. Hinaus. Neuerdings machte er ganz schön große Lacken in die Einfahrt. Aber darum konnten wir uns nicht auch noch kümmern. Der Mann sah bedeutungsschwanger aus dem wind- und wettergegerbten Gesicht “Es kommt noch mehr Schnee. Haben wir genug Kaffee und Milch?”.
“Ja.” Sein Gesicht gebar Erleichterung. 
Nach noch 2 Tagen, etlichen Darmentleerungen, Telefonaten mit Doktoren und einem Kind, das nicht einmal mehr sitzen konnte, beschlossen wir doch spät Abends uns an eine Ort zu wagen, den man meidet wie Postings von Menschen, die vage Andeutungen über ihren schlechten Gemütszustand machen: das Krankenhaus.
Dort angekommen, lief das ausgeschlafene Verräterkind aufgeregt herum und schrie sich kraftvoll die Seele aus dem Leib als es untersucht werden sollte. Die Ärztin verlor gar keine Zeit und machte sich sofort daran uns zu erklären, dass ein Krankenhaus nur für “absolute Notfälle” ist. Da hatte sie schon Schlimmeres gesehen. Ich auch und ersparte der armen Frau nähere Ausführungen, um nicht noch mehr ihrer kostbaren Zeit für die echten Notfälle zu stehlen und selbst eventuell sofort in einer geschlossenen Abteilung für hysterische Mütter zu landen. Außerdem wollte ich mir den “Spaß” an der ganzen Gelegenheit nicht nehmen lassen.
Auf dem Nachhauseweg fasste der Mann meine Hand und ich glaube, dass er das Gleiche dachte wie ich: “Wir hätten uns an meinem Geburtstag, kurz nach Mitternacht, als das Kind endlich schlief, wir heimlich Würstel aßen und mit Schnaps anstießen, mehr als nur ein Stamperl gönnen sollen.”

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