Endlich ist sie wieder da, die feucht-düstere Jahreszeit, wo man ungeniert vor sich hin granteln kann. Ich machte mir schon Sorgen, dass bei all der Sonne und Hitze meine südländische Seele aus ihrem Mitteleuropaschlaf erwacht und nach Šljivovica und slawischen Gesängen dürstet.
Es sind ja auch so viele aufregende Dinge in letzter Zeit passiert. Ich bin sicher, dass das Kind noch seinen Kindeskindern, vom Tag als die Kühe ausbrachen, erzählen wird. Da haben wir schön blöd geschaut, als wir eines schönen Herbsttages aufs Land fuhren und eine ganze Kuhherde am Grundstück vorfanden. Sofort hatten wir Eurozeichen in den Augen, bei der Vorstellung welch unermesslicher Reichtum sich mit der Butter und “handgestreicheltem, in Most gebadeten Eschenauer Feuchtlandrind” machen lassen würde. Aber diese Vorstellungen wurden jäh von einer Stimme der Vernunft im Hinterkopf, aus längst vergangenen Tagen, unterbrochen. “Lauf Suzi, lauf! Du musst sie zurücktreiben, bevor sie etwas anstellen!” pflegte meine montenegrinische Oma (Gott hab sie selig) zu rufen, wenn ihre Kühe ausgebrochen waren und schnurstracks auf Gemüse- oder Weizenfeld zuliefen, wie der Südländer aufs österreichische Schwarzarbeits-Sozialsystem. 


Ich schaltete sofort in Hirtenmodus, schnappte mir einen Stock und lief los. Nach ein paar Schritten kam ich mir ganz schön blöd vor, denn diese Herde stand einfach nur da und genoss offenbar die Aussicht, während sie unsere Auffahrt mit Kuhfladen pflasterte. 
Zum Glück tauchte aus dem Nichts noch ein Nachbar auf und wir trieben die AusreißerInnen wieder zurück auf ihre Wiese, während der Mann und das Kind meine heldinnenhaften Hirtenkünste bewunderten.
Es war auch besser so. dem Bauern wäre sicher früher oder später seine leere Wiese und unser zertrampelter Garten aufgefallen.
Zu guter letzt belegte das Kind die Rindviecher noch mit einem Zauber “Huss, huss! Ia Kühe! Geht weg da!” und warf ihnen zur Abschreckung noch ein wenig Dreck in die Gesichter. 

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