Es ist ein eisiger Morgen. War aber auch schon höchste Zeit. Man kann doch nicht ewig draußen im Sonnenschein herumlaufen, zu Urlaubsstimmung gezwungen sein und ein schlechtes Gewissen haben wenn man sich ein, zwei, drei oder mehr mal am Tag über irgendwas aufregen muss. Aber jetzt hat die soziale Kälte endlich auch die Natur erreicht. Die Menschen stimmen sich auf die besinnungslose Zeit ein: Shoppen und Punschtrinken bis zum Umfallen.


Da ist es doch schön, wenn man sich in die warme Stube zurückziehen kann. Der plötzliche Wintereinbruch hat mich schon etwas überrumpelt. Wegen des Schönwetters hab ich noch nicht mal unsere Wollsocken und langen Unterhosen gestopft. Bei uns ist der Winter auch „sexy Time“. Da ist beinkleidmäßig totale Gleichberechtigung. Wobei der Mann mit seinen langen, schlanken Beinen locker als Palmersstrumpfhosenmodel durchgehen könnte. Ich belästige ihn dann so lange visuell bis er glaubt, dass er auch Cellulite bekommt und in seine Werkstatt flüchtet. 
Das Kind entwickelt sich derweil prächtig, hilft mit wo es kann, um uns zusätzliche Arbeit zu verschaffen. Damit beweist es in dem zarten Alter schon gefragte Führungsqualitäten. Vielleicht muss man die Sache mit der Bildung überdenken und es gleich als CEO für einen Konzern anmelden. Es kann die Angestellten durch Wutanfälle zu Höchstleistungen motivieren, Entscheidungen zu seinen eigenen Gunsten treffen und beinhart verhandeln. 
Es wird ein schöner Winter. Wir haben so viel Holz hinter der Hütte, das noch vor die Hütte gebracht werden muss. Das gilt auch für meinen in die Jahre und aus der Form gekommenen Körper. Aber mit ein paar geworfenen Holzscheiten und geknackten Nüssen wird das schon wieder mit der Bikinifigur. Die braucht Frau ja heutzutage auch immer früher. Wahrscheinlich geht die Badesaison schon im Februar wieder los. 
Es ist so verdächtig still. Hoffentlich hat das Kind nicht irgendwas mit meiner Mutter angestellt und sie in der Kälte an einen Baum angebunden…

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