„Na, suppa. Jetzt is alles aus. Alles. Aus.“ Die schönsten Momente des Lebens zogen noch an einem vorbei. Dann der Horror. Schlag auf Schlag. Panik. Entsetzen. Eine Tschick zur Beruhigung. Dann wieder Panik.
Aber erstmal der Reihe nach. Es begann damit, dass ich auf einen Feuerdorn gestiegen war, dessen Dorn sich durch meine Schuhsohle gebort hatte. Unfassbare Schmerzen. Wie wenn man sich mit Papier in den Finger schneidet. Ganz arg. Ich humple ins Haus, um diese riesige Wunde zu versorgen. Der Strom ist aus. Kein Wasser. „Wir werden alle sterben“, denke ich. Humple hinaus, um den Mann mit seinem grausamen Schicksal zu konfrontieren. Der Ungläubige überprüft noch einmal den „Effie“-Schalter, weil er meine Fachkompetenz anzweifelt. 
Nun war der Moment gekommen, auf den er sich schon sein halbes Leben lang vorbereitet hat. Campingkocher, Laternen, Holz, eine Bärenfalle (sicherheitshalber) und ein Teelicht (gab’s im Angebot) sind sogleich herbeigeschafft. Er läuft hinaus, um das Haus zu sichern. Gegen Wanderer oder Plünderer oder Eichhörnchen. Was weiß man, was so ein Stromausfall nach einer halben Stunde für Konsequenzen hat. Doch zu spät. Eine Schlange hatte den stromlosen Moment genützt, um die Werkstatt für sich zu beanspruchen. 
Als erste Maßnahme muss man unbedingt Fotos machen. Das glaubt einem ja sonst niemand, dass es Schlangen wirklich gibt. Dann ist es von Vorteil, wenn ein furchtloser, junger Mann zur Hand ist, der die Schlange mit zwei Stöcken hinausbefördert. Ich habe recht gut mitgeholfen, indem ich herumgetrampelt bin, wenn die Schlange immer wieder versuchte in die Werkstatt zu kriechen. 

Zum Glück hatte das Kind ein Geschäft zu erledigen und versäumte die ganze Aufregung. Sonst hätte es vielleicht die Schlange als Haustier aufheben wollen. 
Nun ist der Strom wieder da und ich bin sehr erleichtert. Nur um den Mann tut es mir ein bisschen leid, dass er seine Survival-Kenntnisse nicht unter Beweis stellen kann. Er hatte sich schon auf Stunden voller Entbehrungen eingestellt und nun ist‘s wieder nichts. Vielleicht mache ich ihm einmal die Freude und täusche einen Stromausfall vor.

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