Zuerst war ich aufgrund der Hitze nicht sicher, ob die Bewegung, die ich im Augenwinkel wahrnahm, echt war oder Anzeichen eines drohenden Hitzschlags. Es war ein blauer Fleck, der immer wieder auftauchte und verschwand. Ich schleppte mich, meinen Schweiß auf der dürstenden Erde verteilend, zu der Stelle, wo es zuletzt verschwunden war. Und da sah ich zum ersten Mal diese seltsame Heuschrecke, die anstatt nur zu hüpfen, mit schönen blauen Flügeln ein paar Meter fliegen konnte. 
Mit letzter Kraft rief ich das Kind herbei, um ihm diese sensationelle Entdeckung zu zeigen. „Ich wead ihn Fliega nennen!“, verkündete es hocherfreut und wir durchquerten die Steppe, die einmal eine Wiese war, zurück zum Haus. Dort spachtelten wir den geschmolzenen Mann vom Boden und zeigten ihm unseren Fund. Vor Freude schwitzte er auch aus den Augen.


Dank der modernen Technik fand ich recht schnell heraus, dass es sich eine Ödlandschrecke handelte, die eine gefährdete und geschützte Art ist, die sich vorzugsweise auf kahlen Stellen ansiedelt. Was für ein Glück! Nun kann das Mostviertel in Ödlandviertel umbenannt werden. 
Es bleibt nicht mehr viel Obst, um Most herzustellen und die Wiesen vertrocknen. Aber man kann nun abends ohne Jackerl draußen sitzen und dem Zirpen der Insekten – das das Weinen der Bauern übertönt – lauschen, während man im Internet liest, was Menschen, die keine Tiere und Ländereien zu bestellen haben und in klimatisierten Büroräumen sitzen, übers Klima zu sagen haben. 
Vielleicht sollten wir rechtzeitig in Kamele investieren?

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