„Okay, was haben wir hier?“
„Ich würde sagen, einen frischen Tatort. Alles deutet auf ein Verbrechen hin. Hier sieht man eindeutig, dass den Opfern gewaltsam die Köpfe abgerissen wurden.“
„Irgendwelche Hinweise auf den Täter?“
„Ja. Er hat jede Menge Spuren hinterlassen. Ich werde Abdrücke machen und sie ins Labor schicken…“
„…du hast alles umsonst gemacht, alles nur für die Rehe gepflanzt.“, riss mich das Kind jäh aus meinen Ermittlungsfantasien, indem es einen oft gehörten Satz nachplapperte. Ich drehte mich zur Seite, setzte meine Sonnenbrille auf und stemmte die Arme in die Hüften. „Es wird Zeit, dass wir es diesen Kreaturen zeigen.“, sprach ich cool. „Jaaaaaaaaaa!“ rief das Kind „aber was willst du ihnen zeigen?!“

Nachdem ich noch eine Weile wirkungsvoll neben dem zerstörten Erdbeerbeet gestanden war, antwortete ich: „Deinen Papa.“ und machte ich mich auf den Weg zum Mann, um ihm vom Ergebnis meiner neuesten Untersuchungen zu berichten. Zum Glück hatte er auch eine Sonnenbrille auf, so konnten wir uns professionell über die Angelegenheit unterhalten. 
„Mach Dir keine Sorgen, Schatz! Ich werde mich darum kümmern!“, schrie er über den Lärm hinweg, den das Kind mit der Bohrmaschine machte, und legte den Arm um meine Schultern. So sippten wir gemeinsam von unseren kalten Kaffees, während wir unserem Sproß beim Gestalten eines Insektenhotels zusahen. 
Als Mann, dessen Jagdinstinkt nun geweckt war, schlüpfte er bald in seine beste Camouflagehose, ließ sich vom Kind das Gesicht kriegerisch anmalen und schritt zur Tat. Wie man das heutzutage eben machte. Es mussten erstmal ein paar Bilder geschossen werden. Also tarnte der Mann sich noch mit ein paar Zweigen, robbte durch den Garten und montierte eine Wildkamera. 
Es sollte sich herausstellen, dass es noch schlimmer war als wir vermutet hatten. Nicht bloß ein verbrecherisches Reh, sondern ein Pärchen, das uns schamlos mit Zungezeigen und heißen Küssen vor der Kamera verhöhnte.
„Rufen wir jetzt den Jäger?“ fragte das Kind. Der Mann und ich sahen uns über unsere Sonnenbrillen hinweg an, während die Sonne hinter uns unterging…

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