Seine Augen leuchteten. Tröpfchen glitzerten sexy in seinem Bart, vom kondensierten Atem. Angezuckert mit Sägespänen stand er freudig vor mir: „Weib! Du hast jetzt mächtig Holz vor der Hütte!”

Nein, das sagte er nicht. Er ist ja so wohlerzogen und höflich. Im Gegensatz zu mir. Mit rutscht hier am Land schon manchmal „Mou” aus oder „der Meinige”. Da muss ich schon sehr aufpassen. Wir wissen ja wie negativ sich abwertende Sprache auswirken kann.

Überhaupt lernt man sehr viel übers andere Geschlecht, wenn man sich gemeinsam den Widrigkeiten der Natur aussetzt. Wenn zum Beispiel das Wetter es unmöglich macht hinaus zu gehen, da stellt der Mann – im Gegensatz zu mir – völlig emotionslos und sachlich fest: „Dieser Sch…wind geht mir am Nerv!”. Ich hingegen werde immer gleich total emotional und weibisch: „Dann machen wir halt was im Haus. Es gibt eh genug zu tun.” Dann muss ich ihn in den Arm nehmen, um mich zu beruhigen.

Ich hatte mir ja schon ein wenig Sorgen um ihn gemacht. Nachdem er sich ein wenig zu sachlich und unemotional der Maulwurfproblematik gewidmet hatte und sich der Fotografie widmete, bekam ich Angst, er würde mir in eine Winterdepression verfallen. Als Frau muss man da sensibler sein und darauf achten, dass ein Mann seiner Bestimmung nachkommen kann.

Wenn der harte Winter vor der Tür steht, muss der städtische Latte-Schlürfer sich in einen zu allem bereiten Jäger und Holzfäller verwandelt haben. Und da bin ich sehr stolz auf den Mann, dass ihm das auch dieses Jahr wieder so gut gelungen ist.

Nun können wir uns auf gemütliche Abende vorm Kamin freuen, wo wir uns Händchen haltend romantischen Vorstellungen hingeben… bis Kind oder Hund diese jäh unterbrechen.

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