Es war wieder einmal einer dieser Tage, wo man sagte „es war wieder einmal einer dieser Tage“. Ich hatte gerade einen schwierigen Fall geknackt und genehmigte mir einen Whisky, als ein großer Schatten an der Milchglastür meines Büros erschien. Die Tür öffnete sich, ein Saxophon erklang und ein Lichtstreifen fiel auf die verzweifelt leuchtenden Augen eines Mannes, der Hilfe brauchte.

„Schahatz! Wieso steht da eine Schüssel mit Katzenfutter auf der Wiese?“, fragte der Mann. Sofort stellte ich mein imaginäres Whisky-Glas weg und drehte die Saxophon-Musik im Kopf ab. „Keine Ahnung. Vielleicht haben das Kind und meine Mutter eine Katze gefüttert.“, antwortete ich. Doch mein Riecher für faule Sachen sagte mir, dass an der Sache etwas faul war. Eine Befragung des Kindes warf nur noch mehr Fragen auf. „Mama, hast du meinen Dino gesehen? Spielst du mit mir Nachlaufen? Kann ich was Süßes? Wann darf ich mit der Motorsäge schneiden? Vielleicht hat ein Fuchs das Futter gefressen?…“. Der Dreikäsehoch konnte sich nie auf eine Sache konzentrieren. Doch das alles musste warten. Ich warf noch einen Blick in die verzweifelten Augen des Mannes, schlüpfte in die Gummistiefel und ging hinaus in die unwirtliche Landschaft. In einer Ecke des Hofes lag überall Futter verstreut. Dies verhieß nichts Gutes.

Der Fall ging mir jetzt schon unter die Haut als die Kälte langsam durch die Kleidung drang, während ich die Plastik-Schüssel mit dem Futter mitten auf der Wiese genauer unter die Lupe nahm. Trotz der durchs Tal ziehenden Nebelschwaden war es klar wie Kloßbrühe, dass dies das Werk eines Irren war. Niemand, der bei Sinnen war, würde eine Plastikschüssel mitten in die Landschaft stellen. Zu wachsam waren die Augen der Öko-Diktatoren.
Jemand im Dorf hatte sich die Mühe gemacht, kunstvolle Schilder mit der Aufschrift „G‘HOID DA DEIN MIST!“ und „SAUHUND“ aufzustellen und daran den neben der Straße eingesammelten Müll zu befestigen. Seitdem lebte man hier in Angst und Schrecken. Es waren harte Zeiten für harte Kerle angebrochen. Sie mussten wie jeder normale Mensch den schmachvollen Weg zum Mistkübel antreten, wenn sie die Flaschen ihrer harten, zuckerhaltigen Getränke loswerden wollten.

Ich ging um´s Haus und suchte nach weiteren Spuren während ich überlegte, ob ich zum Mittagessen etwas kochen oder doch nur ein paar Wurzeln ausgraben sollte, um Ressourcen zu schonen. Dabei wäre ich fast auf die übel zugerichtete Leiche eines Vogels gestiegen. Ich hatte schon viel gesehen aber so etwas noch nie. Der grauenhafte Anblick ließ mir die Galle hochsteigen. Sofort zündete ich mir eine Zigarette an, um den abgetrennten Kopf nicht so klar sehen zu müssen. Der Schweinehund war noch irrer als ich dachte. Keine Katze würde einen Vogel so liegen lassen. Wenn unsere fetten Katzen mal einen erwischten, legten sie ihn vor die Haustüre. Aber das hier war eine Botschaft. Die ausgestreckten Flügel sollten mir etwas sagen. Aber was?

Wie sollte ich dem Mann und dem Kind beibringen, dass hier ein Psychopath sein Unwesen trieb? Sie hatten sich gerade von dem Schock der erdbeeren-vernichtenden Rehe erholt und nun das. Mir musste etwas einfallen, wie ich den Schurken zur Strecke bringen konnte.
„Mama, die Omi hat schon mal einen Fuchs gesehen.“, störte mich das Kind schon wieder. „Was hast du nur ständig mit diesem Fuchs? Hier gibt es schon lange keine Füchse mehr. Und jetzt geh was Spielen, die Mama muss nachdenken.“
Beim Wäscheaufhängen fiel es mir dann ein! Wir brauchten sichtbare Beweise, knallharte Fakten. Was konnte das besser liefern als eine Kamera?!
Sofort überkam mich die Aufregung eines Jägers, der seine Beute ins Visier nahm. Ich stellte eine Futter-Falle auf und montierte die Wildkamera davor. „Dir werd ich’s zeigen Bürschchen.“ Es sollte nicht lange dauern bis wir den Unhold entlarven konnten.

„Ich hab doch schon imma gesagt, dass es ein Fuchs ist!“, meinte das Kind altklug. Ja, ja und wer hatte wieder einmal die ganze Arbeit?!<br> Ich setzte meinen Hut auf, zog den Mantel an, stellte den Kragen auf und rief bevor ich aus dem Haus ging: „Ich fahre Futter einkaufen!“ Die Landstraße wand sich unter meinem Geländewagen, wie träger Fluß. Es sollte mich bloß nie wieder jemand darauf ansprechen, wozu ich so ein großes Auto brauche. Ich müsste ihm eine Antwort verpassen, von der er sich nicht so schnell erholen würde: „Ich muss jetzt auch noch einen Fuchs durchfüttern! Hast du eine Ahnung wieviel Futter 6 Katzen, ein Hund, ein Fuchs, drei Rehe und die halbe niederösterreichische Vogelpopulation verschlingen?!“

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